Der zurückliegende Herbst wird mit einer Mitteltemperatur von +10,5° der fünftwärmste Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in D seit
1881. Die Abweichungen betragen +1,7° zur alten Referenzperiode
1961-1990 und +1,2° zur neuen Referenzperiode 1991-2020.
Mit 13 Tagen war die Großwetterlage BM die herausragende
Großwetterlage, gefolgt von NWz an 9 Tagen
und SWz/SEz mit je 8 Tagen. Zonale und gemischte Lagen waren mit insgesamt 52
Tagen dominierend, meridionale Lagen mit 38 Tagen deutlich
unterrepräsentiert.
Allerdings gab es nur an 6 Tagen zonale Großwetterlagen, hier lag ich falsch mit meiner Vermutung, den zonalen Wetterlagen hatte ich mehr Einfluß zugesprochen.
Dennoch zeigt sich in der Verifikation meiner Prognose ein sehr gutes Ergebnis bezügl. Großwetterlagen
Daraus resultierend dürfte es
hauptsächlich zu
Gemischten, Zonalen und auch meridionalen Lagen kommen, allerdings mit Vorteil bei den
Zonalen und Gemischten Lagen. Bei Meridionalen &Zonalen Lagen muss abgewartet werden wie sich die Hurrikan-Saison auf die
Zirkulation auswirkt, denn ziehen außertropische Stürme Ri. Norden so
iniziiert dies eher Meridionale Lagen. Bei den Großwetterlagen sind BM,
HM, NWa, SWz,
SWa, TrM,HNz, HNFz, HB, HFz,Nz, TrW, TB zu erwarten, ferner Wz, Wa und
WW und evtl. Nz, TM, NWz und SEz.
denn bis auf WW und Wa, die nicht
auftraten, traten alle
vermuteten Großwetterlagen auf.
Bezügl. Abweichungen
Die
Abweichung zu 1961-1990 ( Klimareferenzperiode für Jahreszeiten )
dürfte +1,5° bis +3° betragen, zu 1991-2020 +1° bis +2°.
habe ich in beiden Fällen gut prognostiziert.
Schlechtes Ergebnis hingegen bei den Druckabweichungen, das ging schon wieder völlig daneben.
Prognose :

(C)KURT HANSEN VIA NOAA
Ergebnis :
(C)NOAA
Ich werde daher in Zukunft auf die Prognose der Druckabweichungen verzichten.
Nun zum kommenden Winter. Ich
vermute, daß dieser, wie schon 2023/2024, sehr wechselhaft verlaufen könnte, zumindest
lassen die aktuellen Entwicklungen und die Aussichten diesen Schluss zu.
ATLANTISCHE SITUATION
Seit dem Herbstbeginn präsentierte
sich der NAO-Index wechselnd zwischen positiv und negativ. Aktuell scheint der NAO-Index nach
einer negativen Phase schnell wieder in den neutral-leicht positiven Bereich ansteigen,
was für eher gemischte Wetterlagen steht:
(C)NOAA
Werfen wir nun desweiteren einen Blick auf die Abweichungen der Wassertemps, diese geben
erste Hinweise bezügl. der Druckentwicklungen und möglicher Großwetterlagen :
(C)NOAA
Mehrere Umstände fallen auf. Zum einen teils sehr
warmes aber auch sehr kaltes Wasser vor der US-Ostküste, rund um die Azoren warmes
Wasser, ansonsten dominieren fast im gesamten Nordatlantischen Bereichen
warme bis sehr warme Wassertemps, außer östlich von Island, desweiteren herrschen nun La-Nina-Konditionen im Pazifischen Ozean ( laut den neuesten Prognosen ist es aber unsicher, ob sich La-Nina lange wird halten können) und teils sehr kaltes Wasser
im Bereich östlich der Aleuten. Auffällig ist heuer kaltes Wasser vor
der amerikanischen Pazifikküste.
Es könnte also darauf hinaus laufen daß es im weiteren Verlauf des Winters zu einer recht starken Interaktion des Aleuten-Tiefs mit dem Island-Tief kommt. In vergangenen Prognosen habe ich ja
schon
öfters darauf aufmerksam
gemacht. In La-Niña-Wintern ( 2022-2023 war ein La-Nina-Winter ) ist die
Intensität des Alëuten-Tiefs stark
reduziert. Über Nordamerika ist es verhältnismäßig kalt, weil der
Zustrom warmer Meeresluft von Westen fehlt, wodurch im Osten des
Kontinents der thermale Kontrast zum Atlantik erhöht und die Zyklogenese
angetrieben wird. Die Folge ist eine Intensivierung des Island-Tiefs,
das die nordatlantischen Stürme verstärkt, deren Bahnen sich weiter nach
Norden verschieben.
Die vergangenen Druckabweichungen präsentieren sich dort folgendermaßen :
(C)NOAA
Über den Aleuten hat sich, wie vergangenes Jahr, Hochdruck
etabliert, wieder eine
entscheidende Schwächung des Aleuten-Tiefs. Über
Grönland&Island ist der Druck leicht erhöht, wie auch über Skandinavien. Über der zentralen Arktis herrscht starker Tiefdruck.
Im Bereich
der Azoren findet sich eine starke Tiefdruckanomalie, diese verhindert weiter die Bildung zonaler Wetterlagen. Zonale
Wetterlagen, wie bspw.
die klassische
Westwindwetterlage Westlage zyklonal, haben sich durch die globale
Erwärmung sowieso deutlich verändert. Sie haben nicht mehr die
Durchschlagskraft
vergangener Jahrzehnte, das übernehmen nun Großwetterlagen der
Gemischten Zirkulation, die deutlich zugenommen haben.
Wie man
auf den zwei Druckkarten des Polarwirbels in 10hpa sieht sitzt dieser direkt über der zentralen Arktis. Längerfristig soll es dabei bleiben, auffallend ist, daß er sich gleich stark in alle Richtungen ausdehnen soll. Das würde für einen äußerst starken und vitalen Polarwirbel stehen.
NÖRDLICHE HEMISPHÄRE / POLARWIRBEL
Der Polarwirbel zeigt sich aktuell gut strukturiert, die
Ozonkonzentration ist sehr niedrig und soll auch im Bereich der Aleuten noch niedriger werden, was das Tief dort weiter schwächen könnte :
(C)NOAA
Auch der genauere Blick auf den Polarwirbel zeigt die gesunde, gut ausgebildete Struktur, die sich direkt über der zentralen Arktis platziert zeigt :
(C)STRATOBSERVE
Längerfristig soll sich der Polarwirbel weiter gut strukturiert zeigen, seinen nach Norden zurück gezogenen Platz behalten, sich dabei etwas elipsenförmig
ausbilden, was sich in nordwestlich&westlichen
Wetterlagen äußern könnte, m.M.n. ist der Umstand, daß der Polarwirbel recht weit nördlich sitzt, ein Fingerzeig darauf, daß evtl. im weiteren Verlauf mit einem Durchbruch der Westwindzirkulation zu rechnen ist, allerdings dürfte sich diese eher nordwestlich orientieren und daher entsprechend nasskühl ausfallen. Atlantischer Hochdruck dürfte es, trotz der Erhaltungsneigung, im weiteren Winterverlauf schwer haben sich zu bilden:
(C)STRATOBSERVE
Das heißt aber nicht, daß der Polarwirbel auf längere Sicht gesehen
"unangreifbar" für Wärmeflüsse aus der Stratos/Troposphäre bleibt, dies
könnte sich eventuell im Hoch/Spätwinter in einem SSW äußern.
Es sei nochmals wie oft in den vergangenen Winterprognosen erwähnt, zwar kühlt sich die Athmosphäre des Polarwirbel
einerseits durch den verstärkten Eintrag von Aerosolen ab, andererseits
sorgt die Zunahme des Klimaschädlichen CO2 dafür, daß der Polarwirbel in
seiner Gesamtstruktur schwächer bzw. anfälliger wird für starke
Warmluftadvektion und dadurch Umkehrung der Windverhältnisse.
Kommen wir zur QBO, der "Quasi binären zweijährigen Schwingung", dies ist vereinfacht
gesagt eine periodisch athmosphärische Welle des zonalen Winds in der
äquatorialen Stratosphäre der Erde.
In der Westphase wird die zonale Zirkulation gestärkt, in der Ostphase geschwächt.
Aktuell befindet sich diese Schwingung im Westmodus :
(C)NASA
Bei den Temps und dem zonalen Wind schaut es aktuell so aus :
(C)ECMWF
(C)CPD/JMA
(C)STRATOBSERVE
Der zonale Wind zeigt deutlich positive Werte, die Temps des
Polarwirbel in 10hpa sind
aktuell recht kalt und sollen sogar noch kälter werden. Das sieht schon alles sehr stabil aus.
Eine
länger anhaltende Störung des Polarwirbel durch ein SSW erscheint
aufgrund der Prognosen aktuell nicht sehr wahrscheinlich, zu
einem späteren Zeitpunkt aber durchaus möglich. Am ehesten ist der
Zeitraum mitte Februar bis Anfang März prädestiniert für ein SSW, denn
das ist der Zeitpunkt in dem sich der Polarwirbel Jahreszeitlich bedingt
sowieso stark erwärmt und somit immer anfälliger für starke
Wärmeadvektion wird.
Dann kommt es aber darauf an ob es eine
Kupplung zwischen Stratos-und Troposphäre gibt, der Polarwirbel
gesplittet wird oder nicht, ob es "nur" ein Displacement gibt und v.a.
wo das ganze stattfindet. Um es mit einem der Stratosphärenspezialisten,
Dr. Simon Lee vom MET OFFICE in England, zu sagen :
"Auch wenn
es zu einer großen Stratosphärenerwärmung kommt heißt das noch lange
nicht daß man 2 Wochen später in großer Kälte am Schnee schippen ist.
Dazu ist dieser Vorgang zu kompex und jede Erwärmung auf ihre Weise
einzigartig und kaum zu prognostizieren in ihrem weiteren Verlauf".
Kleine Erwärmungen, sogenannte "Minor Warmings", werden dagegen ganz
sicher auftreten, sie kommen jeden Winter vor. Sie sind aber nicht in
der Lage, die Windverhältnisse zu ändern.
POLARFRONTJETSTREAM & EURASIEN
Der Polarfrontjetstream zeigt sich gut strukturiert
(C)METEOCIEL
allerdings teils etwas südlich versetzt, daher werden sich zwar zyklonale Lagen einstellen, da diese aber wahrscheinlich aus Nordwest kommen, dürfte es recht ungemütlich werden.
Die Verteilung der Kaltluft wird wie folgt prognostiziert:
(C)WETTERZENTRALE
Es zeigt
sich abermals eine Konzentrierung der Kaltluft sehr weit zurückgezogen in den Osten
Russlands und über Nordamerika / Kanada, allerdings ist über der Westküste und v.a. über Alaska wenig Kaltluft vorhanden, das ist ungewöhnlich, und es zeigt sich, daß es, gemessen an der Jahreszeit,
relativ wenig Kaltluft über Zentral-Russland gibt, was sich auch in der
weit zurückgezogenen Schneedecke ( siehe weiter unten ) zeigt. Desweiteren
wird so bis auf weiteres kein Hoch über Zentral-Russland entstehen
welches ein sog. "Ural-Blocking" auslösen könnte, welches u.a. von Dr.
Judah Cohen vom AER in den USA als einer der zentralen Bausteine eines
SSW mit Polarwirbelsplit gesehen wird. Ein blockierendes Hoch über dem
Ural-Gebirge scheint mit Schwerewellen, die weit in die Athmosphäre
dissipatieren, die polare Zirkulation nachhaltig zu stören.
Kommen wir zur Eurasischen Schneebedeckung und der Vergleich zu 2023:
(C)NOAA
Aktuell zeigt sich die Schneebedeckung wieder deutlich
radialsymetrisch ( also entlang der Längengrade ) und somit eher zonalen/gemischten
Wetterlagen zuträglich. Die Radialsymetrie fällt stärker aus als 2023.
Und es zeigt sich abermals, daß
die Schneebedeckung im Ural, besonders im südlichen Abschnitt, wie schon
2023 deutlich abgeschwächt ist bzw. fast gar nicht vorhanden ist. Dies
würde ein Hochdruck-Blocking Ural-Karasee-Barentssee sehr schwer machen,
welches ebenfalls durch Dissipation von Schwerewellen in die
Troposphäre den Polarwirbel schwächen könnte.
Es bleibt abschließend zu konstantieren daß weder die Entwicklung
über den Aleuten noch die Entwicklung im Ural dazu führen wird daß hier
Blockings stattfinden die den Polarwirbel schon früh außer Takt bringen könnten, im Gegenteil, der Polarwirbel scheint sich auf längere Sicht gesehen noch zu intensivieren, soll aber weit nördlich platziert bleiben, was eher Großwetterlagen aus Nordwest, also gemischte Zirkulation, begünstigen würde.
Bei den Wetterlagen dürften folgende Lagen
auftreten: Meridionale
Wetterlagen wie bspw. u.a. TrM, TrW, TM,HB, TB, desweiteren HNa, HNz,
HNFa, HNFz, Na, NEz oder SEa. Bei zonalen und gemischten Wetterlagen die
"üblichen Verdächtigen" wie NWz / NWa, BM, HM, SWz, SWa, Wz,Wa,WS.
Die Abweichung zu 1961-1990 ( Klimareferenzperiode für Jahreszeiten )
dürfte +1,5° bis +2,5° betragen, zu 1991-2020 +1° bis +2°.
http://www.wetterzentrale.de
http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jet_nh_arch.html
http://es-ee.tor.ec.gc.ca/e/ozone/Curr_map.htm
https://ds.data.jma.go.jp/tcc/tcc/products/clisys/STRAT/
https://www.stratobserve.com/ens_ts_diags
https://acd-ext.gsfc.nasa.gov/Data_services/met/qbo/qbo.html
http://www.climate4you.com/SnowCover.htm
https://www.ecmwf.int/en/forecasts/charts/catalogue/extended-zonal-mean-zonal-wind?facets=undefined&time=2022112800,0,2022112800&area=nh
Text : (C)Kurt Hansen, Arrondissement Perpignan, Region Occitanie, Departement Pyrénées-Orientales, France.