Montag, 1. Dezember 2025

Winter 2025/2026

Am Winter hängt, zum Winter drängt doch alles!

Nunja, zu Gretchens Zeit gab es noch "richtige" Winter, für uns heutzutage wären die Winter aus Goethes Zeit kaum aushaltbar. Mich persönlich wundert es jedes Jahr, wie sehr die Allgemeinheit nach einem "richtigen" Winter lechzt, wahrscheinlich liegt es daran, in unruhigen und sich ständig ändernden Zeiten noch auf etwas hoffen zu können, das Kontinuität verspricht. Und dazu gehört für viele anscheinend ein Winter mit Schnee, Eis und Kälte. 

Kurzer Rückblick zunächst mal auf den vergangenen Herbst. Ich kopiere hier mal die Zusammenfassung des DWD, die den Herbst 2025 genau richtig beschreibt : 

Der Herbst 2025 zeigte sich in Deutschland insgesamt mild. Die Mitteltemperatur erreichte 9,7 °C und lag damit 0,9 Grad über dem Referenzwert 1961-1990 (8,8 °C) sowie 0,4 Grad über dem Mittel der Periode 1991–2020 (9,3 °C). Besonders deutlich traten die positiven Temperaturabweichung in Norddeutschland hervor. Die landesweiten saisonalen Temperaturspitzen reichten von spätsommerlichen 32,6 °C, gemessen am 20.9. in Pabstorf (Harzvorland), bis zu eisigen -18,5 °C am 23.11. in Oberstdorf. Grund dafür war ein für die Jahreszeit ungewöhnlich markanter Kaltluftvorstoß, der die Mitteltemperatur zu Beginn der dritten Novemberdekade in weiten Teilen Deutschlands kurzzeitig auf ein Niveau drückte, das eher für den Januar üblich wäre. 

Quelle : https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20251128_pm_herbst_news.html

Diesesmal lag ich für beide Referenzperioden daneben, zu hoch. Prognostiziert hatte ich 1,5k bis 2,5k Abweichung zu 1961-1990 und 1k bis 2k zu 1991-2020. 

Bei den Großwetterlagen ein deutlich besseres Bild, vermutet hatte ich BM, HM, NWa, SWz, SWa, TrM,HNz, HNFz, HB, HFz,Nz, TrW, TB, Wz, Wa und WW und evtl. TM, NWz und SEz. 


 
Bis auf Nz und SEz traten alle Großwetterlagen wie vermutet auf. 

 

Nun zum kommenden Winter. Da gibt es für mich heuer nur ein mögliches Szenario : Mild bis sehr mild, allerdings mit einigen "Dümpelphasen" oder auch bei den Meteorologen "Frontenfriedhof" genannt. 

NACHTRAG: Da mich diesbezüglich Kommentare erreicht haben, NATÜRLICH sind, wie schon immer bei vergangenen Prognosen erwähnt, mehrere winterliche Abschnitte zu erwarten, (fast) jeder Winter wartet mit solchen auf. Diese können von einigen Tagen bis zu 1-2 Wochen anhalten, an der Gesamtheit der obigen Aussage - Winter schlußendlich mild bis sehr mild - ändert das jedoch nichts.  

ATLANTISCHE SITUATION

Seit dem Herbstbeginn präsentierte sich der NAO-Index recht häufig negativ. Aktuell scheint der NAO-Index nach einer weiteren negativen Phase in den neutral-leicht positiven Bereich anzusteigen, gemischte oder meridionale Großwetterlagen wären die Folge : 


 (C)NOAA

 Werfen wir  nun desweiteren einen Blick auf die Abweichungen der Wassertemps, diese geben erste Hinweise bezügl. der Druckentwicklungen und möglicher Großwetterlagen :


 (C)NOAA

Quasi der gesamte Atlantik weist deutliche positive Temperatur-Anomalien auf, einzig im Bereich des Golfstroms vor der Neufundländischen Küste zeigen sich negative Abweichungen. Im mittleren Pazifik formiert sich "La Nina", vor der amerikanischen Pazifikküste gibt es wieder starke negative Abweichungen, wenn auch nicht so großflächig wie vergangenes Jahr. 

Ob es nun dennoch darauf hinausläuft daß es im weiteren Verlauf des Winters zu einer Interaktion des Aleuten-Tiefs mit dem Island-Tief kommt, muss man abwarten, verstärkend könnte sich diesesmal die Druckentwicklung über Kanada erweisen.

In vergangenen Prognosen habe ich ja schon öfters auf La Nina aufmerksam gemacht. In La-Niña-Wintern ist die Intensität des Alëuten-Tiefs stark reduziert. Über Nordamerika ist es verhältnismäßig kalt, weil der Zustrom warmer Meeresluft von Westen fehlt, wodurch im Osten des Kontinents der thermale Kontrast zum Atlantik erhöht und die Zyklogenese angetrieben wird. Die Folge ist eine Intensivierung des Island-Tiefs, das die nordatlantischen Stürme verstärkt, deren Bahnen sich weiter nach Norden verschieben.

 Die vergangenen Druckabweichungen präsentieren sich dort folgendermaßen :


 


 (C)NOAA

Über den Aleuten hat sich, wie vergangenes Jahr, Hochdruck etabliert, wieder eine entscheidende Schwächung des Aleuten-Tiefs, aber der Hochdruck sitzt heuer zusätzlich über weiten Teilen Kanadas, das ist der Schwächung des Polar Vortex zuzuschreiben. Über Grönland&Island ist der Druck leicht erhöht, über Skandinavien dagegen starker Tiefdruck. Über der zentralen Arktis herrscht ebenso starker Tiefdruck. Im Bereich der Azoren sieht es neutral aus.

Wie man auf den zwei Druckkarten des Polarwirbels in 10hpa sieht sitzt dieser über großen Teilen Kanadas und soll sich längerfristig deutlich zu den Aleuten hin orientieren. 

NÖRDLICHE HEMISPHÄRE / POLARWIRBEL

Dem Polarwirbel setzte eine deutliche Erwärmung in den vergangenen Wochen stark zu, ob es tatsächlich zu einer großen stratosphärischen Erwärmung gereicht hat muss abgewartet werden, es wäre nach November 1968 erst das zweite mal, daß so eine große Erwärmung im November stattfand. Mir erscheint es eher so, daß es zu einem sog. "Canadian Warming" gekommen ist, also einer stratosphärischen Erwärmung direkt über Kanada. Diese sorgt auch für eine kurzzeitige Umkehr des zonalen Winds, soll aber wenig Ausiwrkungen auf das Wettergeschehen über Europa haben, was ich allerdings anzweifle, denn es hat sich ja Hochdruck über Kanada und den Aleuten gebildet und dies wiederum könnte Tiefdruckentwicklung in Richtung Atlantik befeuern. Das Canadian Warming zeigt sich auch in den Ozonkonzentrationen dort, die doch deutlich höher sind als üblich. 



(C)NOAA

Der genauere Blick auf den Polarwirbel zeigt einen deutlich in die Länge gezogenen Wirbel:


 

(C)STRATOBSERVE

Längerfristig soll sich der Polarwirbel wieder besser strukturiert zeigen, sich zurück nach Norden orientieren, dabei aber weiter etwas in die Länge gezogen bleiben, eher von Nord nach Süd, was sich in südwestlich&westlichen Wetterlagen äußern könnte.


C)STRATOBSERVE

Das heißt aber nicht, daß der Polarwirbel auf längere Sicht gesehen "unangreifbar" für Wärmeflüsse aus der Stratos/Troposphäre bleibt, dies könnte sich eventuell im Hoch/Spätwinter in einem SSW äußern. Geschwächt ist der Polarwirbel auf jeden Fall, wie die Grafik von ECMWF weiter unten zeigt. 

Es sei nochmals wie oft in den vergangenen Winterprognosen erwähnt, zwar kühlt sich die Athmosphäre des Polarwirbel einerseits durch den verstärkten Eintrag von Aerosolen ab, andererseits sorgt die Zunahme des Klimaschädlichen CO2 dafür, daß der Polarwirbel in seiner Gesamtstruktur schwächer bzw. anfälliger wird für starke Warmluftadvektion und dadurch Umkehrung der Windverhältnisse.

Kommen wir zur QBO, der "Quasi binären zweijährigen Schwingung", dies ist vereinfacht gesagt eine periodisch athmosphärische Welle des zonalen Winds in der äquatorialen Stratosphäre der Erde.

In der Westphase wird die zonale Zirkulation gestärkt, in der Ostphase geschwächt.

Aktuell befindet sich diese Schwingung im Ostmodus : 


 

(C)NASA

Das ist nach längerer Zeit eine Überraschung, die vergangenen Jahre befand sich die Schwingung oft im Westmodus. Nun könnte sich aufgrunddessen Hochdruck über Sibirien bilden, aber dies könnte dann zum oben erwähnten "Frontenfriedhof" führen, denn sämtliche Frontensysteme vom Atlantik ausgehend hätten es zunächst schwer, sich gegen ein blockierendes Hoch durchzusetzen und verlieren ihre Wetterwirksamkeit auf dem Weg nach Mitteleuropa, bis sie- salopp gesprochen- "sterben".

Bei den Temps und dem zonalen Wind schaut es aktuell so aus :


 (ECMWF)


 

(C)STRATOBSERVE

Der zonale Wind zeigt recht hohe Temps, soll zwar kälter werden aber immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben, auch der Wind scheint sich zu erholen, bleibt aber auch eher unterdurchschnittlich. 

Eine weitere Störung des Polarwirbel durch ein SSW erscheint aufgrund der Prognosen recht wahrscheinlich, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt. Am ehesten ist der Zeitraum mitte Februar bis Anfang März prädestiniert für ein SSW, denn das ist der Zeitpunkt in dem sich der Polarwirbel Jahreszeitlich bedingt sowieso stark erwärmt und somit immer anfälliger für starke Wärmeadvektion wird. 

Dann kommt es aber darauf an ob es eine Kupplung zwischen Stratos-und Troposphäre gibt, der Polarwirbel gesplittet wird oder nicht, ob es "nur" ein Displacement gibt und v.a. wo das ganze stattfindet. Um es mit einem der Stratosphärenspezialisten, Dr. Simon Lee vom MET OFFICE in England, zu sagen :

"Auch wenn es zu einer großen Stratosphärenerwärmung kommt heißt das noch lange nicht daß man 2 Wochen später in großer Kälte am Schnee schippen ist. Dazu ist dieser Vorgang zu kompex und jede Erwärmung auf ihre Weise einzigartig und kaum zu prognostizieren in ihrem weiteren Verlauf".

Kleine Erwärmungen, sogenannte "Minor Warmings", werden dagegen ganz sicher auftreten, sie kommen jeden Winter vor. Sie sind aber nicht in der Lage, die Windverhältnisse zu ändern.
 

POLARFRONTJETSTREAM & EURASIEN

Der Polarfrontjetstream zeigt sich wie folgt


 

größtenteils zwar gut strukturiert, nicht jedoch im europäischen Bereich, daher dürfte es zunächst zur ersten sog. "Dümpellage" kommen, wahrscheinlich eine Trogentwicklung.

 Die Verteilung der Kaltluft wird wie folgt prognostiziert:

 





(C)WETTERZENTRALE

Es zeigt sich eine Konzentrierung der Kaltluft sehr weit zurückgezogen in den Osten Russlands, allerdings viel Kaltluft über Kanada, auch über der Westküste (Neufundland), und es zeigt sich, daß es, gemessen an der Jahreszeit, relativ wenig Kaltluft über Zentral-Russland gibt, was sich auch in der weit zurückgezogenen Schneedecke ( siehe weiter unten ) zeigt. Desweiteren wird so bis auf weiteres kein Hoch über Zentral-Russland entstehen, wohl aber über Sibirien, wo die Schneedecke ausreichend ist.

Kommen wir zur Eurasischen Schneebedeckung und der Vergleich zu 2024:


(C)NOAA

Aktuell zeigt sich die Schneebedeckung wieder deutlich radialsymetrisch ( also entlang der Längengrade ) und somit eher zonalen/gemischten Wetterlagen zuträglich. Die Radialsymetrie fällt allerdings schwächer aus als 2024!

Die Schneebedeckung im Ural ist aktuell im Süden fast gar nicht vorhanden. Dies würde ein Hochdruck-Blocking Ural-Karasee-Barentssee sehr schwer machen, welches ebenfalls durch Dissipation von Schwerewellen in die Troposphäre den Polarwirbel schwächen könnte. Allerdings ist der Polarwirbel, wie erwähnt, sowieso schon geschwächt, nun braucht es vielleicht gar kein Ural-Blocking um ihn weiter aus den Takt zu bringen?

Lange Rede kurzer Sinn : Die athmosphärischen Voraussetzungen favorisieren sowohl milde bis sehr milde Lagen als auch sich gegenseitig neutralisierende Lagen, Stichwörter "Dümpellage" oder auch "Frontenfriedhof". 

Bei den Wetterlagen dürften folgende Lagen auftreten: Meridionale Wetterlagen wie bspw. u.a. TrM, TrW, TM,HB, TB, desweiteren HNa, HNz, HNFa, HNFz, Na, NEz oder SEa. Bei zonalen und gemischten Wetterlagen die "üblichen Verdächtigen" wie NWz / NWa, BM, HM, SWz, SWa, Wz,Wa,WS.

Die Abweichung zu 1961-1990 ( Klimareferenzperiode für Jahreszeiten ) dürfte +1,5° bis +2,5° betragen, zu 1991-2020 +1° bis +2°.  

 

http://www.wetterzentrale.de
http://squall.sfsu.edu/crws/archive/jet_nh_arch.html
http://es-ee.tor.ec.gc.ca/e/ozone/Curr_map.htm
https://www.stratobserve.com/ens_ts_diags
https://acd-ext.gsfc.nasa.gov/Data_services/met/qbo/qbo.html
http://www.climate4you.com/SnowCover.htm 
https://www.ecmwf.int/en/forecasts/charts/catalogue/extended-zonal-mean-zonal-wind?facets=undefined&time=2022112800,0,2022112800&area=nh
 
Text : (C)Kurt Hansen, Arrondissement Perpignan, Region Occitanie, Departement Pyrénées-Orientales, France. 



 

Mittwoch, 3. September 2025

Herbst 2025

Der Sommer 2025 war von zwei markanten Hitzewellen geprägt, die durch eine wechselhafte, teils relativ kühle und ausgesprochen nasse Juli-Phase unterbrochen wurden. Der Sommer erreichte eine bundesweite Mitteltemperatur von 18,3 Grad Celsius und lag damit um 2K (meine Vermutung 1,8K-2,5K und damit gut getroffen) über dem Wert der international gültigen Referenzperiode für Jahreszeiten 1961–1990. Gegenüber der aktuellen Vergleichsperiode 1991–2020 ergab sich ein Temperaturplus von 0,7K, hier lag ich mit meiner Vermutung von 1K-1,5K etwas zu hoch. 

Während der ersten Hitzewelle im Juni gipfelten die Höchstwerte am 2.7 bei über 38 °C. Den bundesweiten Spitzenwert meldete Andernach am Mittelrhein in Rheinland-Pfalz mit 39,3 °C. Zahlreiche Dekaden-und Allzeitrekorde wurden gebrochen. Es folgte im Juli eine vergleichsweise kühle Phase, bevor der August eine weitere Hitzewelle mit Spitzen von bis zu 37 °C brachte. 

 Die Charakteristik des Sommers wurde recht gut vermutet : 

Ein Blick auf den Subtropenjet zeigt, daß dieser zwar gut ausgebildet ist, aber durch eine Tiefdruckanomalie vor Nordwestafrika gestört ist bzw. abgelenkt wird und dadurch wird es zunächst bei der zyklonal geprägten westlichen bis südwestlichen Strömung bleiben. Aufgrund der Erhaltungsneigung der Athmosphäre gehe ich im Moment davon aus, daß der Juni wechselhaft, wenn auch sehr warm über die Bühne gehen wird, trotz der heißen Luftmassen, die advehiert werden, diese sorgen aber in erster Linie für Gewitter. Eine durchgreifende Umstellung der Großwetterlage hin zu stabil könnte sich dann einstellen, wenn der Druck bei Island und den Azoren gleichermaßen ansteigt, welches die Abschnürung einer Hochdruckzelle iniziieren würde (kalbendes Azorenhoch) woraus dann entweder antizyklonale Strömungen bis hin zu Hochdruck über ME entstehen könnten.  

Großwetterlagen werden wir folgt vermutet : TrW, TrM, TB, SWz, WW, WZ, NWz, BM, WA, HM, SWa, Wa. 


Quelle : (C) https://www.orniwetter.info/wetterlagenkalender/

Sehr gutes Ergebnis auch bei den Großwetterlagen, die einzige, die ich nicht erwähnt hatte, war SA.

Nun zur undankbaren Aufgabe, mit dem Herbst eine Übergangsjahreszeit zu prognostizieren. Wie im Frühjahr, sind in Übergangsjahreszeiten so ziemlich alle Möglichkeiten gegeben : Lang anhaltende warme bis fast heiße Phasen, aber auch markante Kältephasen und sehr wechselhafte, regnerische, kühle Phasen. Und das macht es so schwer.

Man mag es mir daher nachsehen daß ich wiederTextbausteine aus früheren Prognosen verwende, dann das in vergangenen Jahren gesagte gilt weiterhin! 

Das liegt v.a. an der Tatsache, daß sich die Weltmeere durch die Klimakatastrophe immer stärker aufheizen und scheinbar weit entfernte Wetterphänomene wie ENSO ( El Nino, La Nina ) nun doch immer mehr Einfluß auf unser Wetter nehmen, wenngleich der Atlantik weiter für uns bestimmend ist. Aber, auch Atlantik, die arktischen Meere und das Mittelmeer, zeigen immer höhere Abweichungen. Der Atlantik zeigt aktuell schon recht hohe Abweichungen, die polaren Meere und v.a. das Mittelmeer erreichen bei den Abweichungen schon wieder fast schwindelerregende Höhen : 


 (C)NOAA

 

Auf die Abweichungen im Mittelmeer wird man wieder besonderes Augenmerk haben müssen, denn dort steigt dann immer mehr die Gefahr von sog. "Medicanes", also starken Stürmen, die zum Teil verheerende Niederschlagsmengen bringen können. 

Auffällig aber auch heuer wieder sind die fast durchweg hohen Wassertemps in den für Europa relevanten Gebieten. Tropischer, mittlerer, nördlicher Atlantik, Davis-Straße&Baffin-Bay (Grönland), alle weisen sehr hohe positive Abweichungen auf, wenn auch nicht so hoch wie vergangenes Jahr. Auch rund um die Kanaren und den Azoren finden sich hohe Abweichungen. 

Es gab nun bereits Kaltluftausbrüche via NH in den mittleren Atlantik (aufgrund der Drehrichtung der Tiefdruckgebiete links herum) die wieder eine durchgreifende Zirkulationsänderung in Gang brachten, und so bleibt es weiterhin bei moderater Wechselhaftigkeit, entsprechend lauten ja auch die Prognosen der Wetterdienste, das lässt sich auch gut in den Vorhersagekarten sehen. 


 (C)METEOCIEL

 Hochdruck konzentriert sich eher im Nordwesten, auffällig der Tiefdruck vor den Britischen Inseln und Grönland/Kanada.

Ebenso auffällig, wie schon 2024, sind wieder die Anomalien der Wassertemps im mittleren und nördlichen Pazifik, also vor den Westküsten der USA und Kanada bis nach Alaska hinauf. Im Herbst 2018, 2021 und auch 2022 gab es ähnlich hohe Anomalien, diese resultierten dann in deutlich dominanten GWL-Typen der Zonalen und Gemischten Zirkulation, da sich dadurch das Aleutentief stärkt, welches über den Jetstream direkte Auswirkungen zum Islandtief hat. Diese Entwicklung dürfte, so sie denn anhält, sich evtl. sogar noch intensivieren.

Blicken wir auf den Jahreszeitlich bedingt immer wichtiger werdenden NAO-Index, welcher die Druckdifferenz zwischen dem Islandtief im und dem Azorenhoch darstellt.


 (C)NOAA

 

Weite Teile des Sommers waren von einem positiven NAO-Index geprägt, besonders stark von Anfang Juli bis mitte Juli, das war auch die Periode die besonders wechselhaft verlief. Zur Mitte des September hin soll sich der NAO-Index Ri. positiv bewegen, das Rauschen ist allerdings recht stark ausgeprägt.

Die Frontalzone war im Sommer eher nördlich orientiert, im atlantischen Bereich recht glattt (verantwortlich für die Wechselhaftigkeit bezügl. Gewitter im Juni und die kühle Juli-Phase), im Norden und Süden mäandrierend, was die dortigen starken Wärme-bzw. Hitzephasen erklärt :


 (C)NOAA

 

Nun zur atlantischen Hurrikansaison und die evtl. Auswirkungen auf unser Wetter. Wie oben erwähnt, werden die Anomalien der Wassertemperatur immer höher. Dies wirkt sich zwar noch nicht in einer gestiegenen Anzahl an außertropischen Sturmsystemen aus, wohl aber in der Stärke der einzelnen Ereignisse.

Für dieses Jahr wird eine deutlich überdurchschnittliche Hurrikan-Saison erwartet. Wird ein Ex-Hurrikan / Tropischer Sturm als Tiefdruckgebiet in die Westwindzirkulation eingebunden, ist eher wechselhaftes Wetter zu erwarten, so geschehen vor kurzem durch den Ex-Hurricane "Erin". Wird eine eher Südlich / Südwestliche Zugbahn eingeschlagen, dann werden warme bis sehr warme subtropische Luftmassen advehiert und u.a. ein Azorenhochkeil unterstützt. 

Das wäre, wie zonale Lagen im Hochsommer, ein sog. "Türöffner" für sehr warmes aber eher unbeständiges Wetter, verursacht bspw. durch die GWL SWz.

Eine deutlich überdurchschnittliche Hurrikan-Saison könnte nun Gemischte und zonale Lagen eher begünstigen als meridionale, und da die Frontalzone im atlantischen Bereich eher glatt verlief - siehe den Plot der Frontalzone weiter oben - könnte es daher im Verlauf des Herbst evtl. öfters dazu kommen, daß außertropische Systeme in die Europäische Wetterzirkulation eingebunden werden. Aber, der Unsicherheitsfaktor in den kommenden Jahren bleibt bestehen : Wird die zunehmende Stärke der außertropischen Sturmereignisse mehr Einfluß auf ME nehmen und wenn ja, mit welchem Ergebnis?

Blicken wir nun auf die Abweichungen der Luft-Temps auf der NH des vergangenen Sommer, man erkennt negative Abweichungen über Island, an der Ostküste der Davis-Straße in Kanada gab es starke negative Abweichungen, desweiteren höhere Abweichungen im Bereich Ostküste USA bis nach Neufundland, außerdem Skandinavien und der gesamte subarktische/arktische Bereich: 


 (C)NOAA

Wie schon in den vergangenen Jahren zeigt sich weiterhin eine leicht abgeschwächte Schmelzrate der NH, etwa auf gleichbleibendem Niveau. Eine eher abgeschwächte Schmelzrate des Schnees bedeutet etwas weniger Süßwassereintrag in den Labrador-bzw. Neufundlandstrom, dadurch bessere Voraussetzungen für Tiefdruckbildung im Bereich Neunfundland, der Geburtststätte der Atlantischen Tiefs. Hier die Anomalien der Schnee-Schmelzrate der NH von Juni und Juli:



 (C)RUTGER SNOW LAB

Der Polarfrontjetstream zeigt sich, besonders über Mitteleuropa, kräftig und gut ausgebildet, ohne große Mäandrierungen, Folge des bereits jetzt sehr starken Polarwirbels, was aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine große Rolle spielt, aber wieder  ein Achtungszeichen bedeutet : 



 (C)STRATOBSERVE & METEOCIEL

 

Daraus resultierend dürfte es hauptsächlich zu Gemischten und Zonalen Lagen kommen, meridionale Lagen dürften diesen Herbst eine untergeordnete Rolle spielen. Vor allem muss abgewartet werden wie sich die Hurrikan-Saison auf die Zirkulation auswirkt, denn ziehen außertropische Stürme Ri. Norden, so iniziiert dies dann doch eher Meridionale Lagen. Bei den Großwetterlagen sind BM, HM, NWa, SWz, SWa, TrM,HNz, HNFz, HB, HFz,Nz, TrW, TB zu erwarten, ferner Wz, Wa und WW und evtl. Nz, TM, NWz und SEz.

Ja, das sind wieder viele Großwetterlagen, aber so ist das nunmal bei 3 Monaten Übergangsjahreszeit. Aufgrund der Variabilität der Luft-und Wassertemps kann es nunmal rasche Wechsel der Wetterlagen geben. 

Die Abweichung zu 1961-1990 (Klimareferenzperiode für Jahreszeiten) dürfte +1,5K bis +2,5K betragen, zu 1991-2020 +1K bis +2K.  

Quelle der Grafiken : 

https://psl.noaa.gov/data/histdata/
https://www.meteociel.fr/
https://climate.rutgers.edu/snowcover/
https://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly/
https://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/precip/CWlink/pna/nao.shtml
https://www.stratobserve.com/ens_ts_diags
 
Text : (C)Kurt Hansen, Arrondissement Perpignan, Region Occitanie, Departement Pyrénées-Orientales, France.

 

 

Sonntag, 1. Juni 2025

Der "unausweichliche Hitzesommer" 2025 - Tatsächlich?

Erstmal vorneweg, vielen lieben Dank für die vielen Genesungswünsche, die mich erreicht haben. Wie lange ich den Blog noch aufrecht erhalten kann, quien sabe. Mein Alter fordert immer häufiger seinen Tribut, aber solange es geht, schreibe ich. 

Viel wurde schon im Vorfeld über den kommenden Sommer geschrieben. Einiges davon sicherlich mit guter Absicht, das meiste allerdings nur, um Aufmerksamkeit zu erregen. 

Klar ist, daß der kommende Sommer "zu warm" wird. Kühle Sommer sind mittlerweile recht unwahrscheinlich, aber natürlich immer möglich. 

Klar ist auch, daß es Hitzetage und Hitzephasen geben wird. Das gehört dazu, und nicht zu vergessen : Die Anzahl der Hitzetage steigt stetig, wie auch die Anzahl der Tropennächte, also Nächtens eine Temperatur nicht unter 25°. 

Bliebe also die Frage nach dem Wettercharakter des Sommer 2025, und da wird es kniffelig. Das vergangene Frühjahr wartete mit einer starken Hochdruckanomalie im Nordwestlichen Bereich auf, verursacht durch drei (!) große Stratosphärenerwärmungen deren Folgen bis heute reichen und noch weiter reichen werden. Anfang Februar erfolgte die erste, Anfang/mitte März die zweite und dritte (die dritte war schließlich das Final Warming, also die Umkehr zur östlichen Sommerwindzirkulation) die dann auch tatsächlich zu einer Interaktion von Stratosphäre und Troposphäre (hier finden die Prozesse statt, die unser Wetter bestimmen) führten. 


 CPD/JMA

desweiteren gab es vor dem Final Warming des Polarwirbel zunächst recht große Aplituden der Wellen 1 und 2 in 10 hpa und anschließend relativ kleine Amplituden der Wellen 1 und 2 in 10hpa (große bzw. starke Amplituden der Wellen führen zu Erwärmungen, kleine Amplituden wirken abkühlend).



 CPD/JMA

Diese Umstände wiederum führten zur angesprochenen Hochdruckdominanz im Nordwesten, ebenso über Grönland, und war zusätzlich mit einer Hochdruckdominanz im östlichen Atlantik verbunden, also quasi vor Kanada und den USA, daraus resultierte die Blockierungslage, die ja recht lange anhielt


 NOAA

 Nun wurde diese Hochdruckdominanz aber zunehmend "angeknabbert" und schließlich "geknackt", und zwar durch große Temperaturgegensätze an der Geburtsstätte der atlantischen Tiefs, vor Neufundland


 NOAA

Die thermalen Gegensätze dort sind stärker ausgeprägt als es noch zur gleichen Zeit 2024 war, das begünstigt zonale Lagen, und diese haben die Hochdruckdominanz beendet. Man sieht das gut auf diesem Plot, nun könnte der Druckgradient im Ostatlantik zum Spielverderber werden


 NOAA

denn die Hochdruckbrücke ist nicht mehr vorhanden. Zwar erfolgt durch Tiefs vor der Iberischen Halbinsel die Advektion von warmen bis heißen Luftmassen, allerdings im Zusammenspiel mit zonalen Lagen, die das ganze unbeständig gestalten. Desweiteren ist der Nordatlantik fast schon Rekordwarm, dies erhöht den athmosphärischen Temperaturgradient, was wiederum die Bildung von Tiefdruckgebieten begünstigt. Ein weiterer Baustein für eine wechselhafte Witterung. 

 Ein Blick auf den Subtropenjet zeigt, daß dieser zwar gut ausgebildet ist, aber durch eine Tiefdruckanomalie vor Nordwestafrika gestört ist bzw. abgelenkt wird

METEOCIEL

NOAA
 
und dadurch wird es zunächst bei der zyklonal geprägten westlichen bis südwestlichen Strömung bleiben. Aufgrund der Erhaltungsneigung der Athmosphäre gehe ich im Moment davon aus, daß der Juni wechselhaft, wenn auch sehr warm über die Bühne gehen wird, trotz der heißen Luftmassen, die advehiert werden, diese sorgen aber in erster Linie für Gewitter. Eine durchgreifende Umstellung der Großwetterlage hin zu stabil könnte sich dann einstellen, wenn der Druck bei Island und den Azoren gleichermaßen ansteigt, welches die Abschnürung einer Hochdruckzelle iniziieren würde (kalbendes Azorenhoch) woraus dann entweder antizyklonale Strömungen bis hin zu Hochdruck über ME entstehen könnten. 
 
Großwetterlagen werden wir folgt vermutet : TrW, TrM, TB, SWz, WW, WZ, NWz, BM, WA, HM, SWa, Wa. 
Temperaturabweichungen : 1,8K bis 2,5K zu 1961-1990, 1K bis 1,5K zu 1991-2020.
 
Quelle der Grafiken : 
 
https://psl.noaa.gov/data/histdata/
https://www.ospo.noaa.gov/Products/ocean/sst/anomaly 
https://ds.data.jma.go.jp/tcc/tcc/products/clisys/STRAT/
 


 

Mittwoch, 5. März 2025

Keine Frühjars-Prognose!

 Aus gesundheitlichen Gründen habe ich es nicht geschafft, rechtzeitig eine Frühjahrs-Prognose zu erstellen. 

Keine Sorge, es geht mir wieder besser, aber zum ersten Mal muss die Frühjahrs-Prognose ausfallen. Für den Sommer 2025 werde ich aber definitiv eine Prognose erstellen. 

Vielen Dank für das Verständnis, viele Grüße!

Kurt Hansen